Dann schenkt es dir sein Leben...
Zeitungsartikel vom 19.06.2007, Kölnische Rundschau
VON ALICE GEMPFER, 19.06.07, 21:28h
FROHNRATH. Countrymusik empfängt Reiter und Pferdefreunde auf dem idyllischen „Meisenhof“ von Barbara Boisserée. Es geht familiär zu, entspannt. Und doch: Da liegt was in der Luft. Spannung. Eine gewisse Unruhe ist spürbar. Nicht nur für Simone „Mone“ Artar, Betreiberin der Reitschule „Riders Way Out“ in Golbach, ist es ein besonderer Tag. Ihrer Einladung folgend, gibt Chriss Kremer erstmals in der Eifel Wissen zum Umgang mit Pferden weiter.
Schon lange beschäftigt Antar sich mit „sanften“ Methoden des Umgangs mit Pferden. Als sie im Internet auf den „Pferdeflüsterer“ stieß, passierte etwas: „Ich spürte sofort etwas Besonderes, habe Chriss direkt angerufen.“
Die knapp 40 Pferdeliebhaber verteilen sich um den Frohnrather „Round Pen“, einen umzäunten Longierzirkel. Das Bild erinnert an Rodeo. Artar führt Haflingerstute Orona herein. Endlich betritt auch der „Horseman“ die Szene. Ein wenig indianischer Geist scheint mit ihm Einzug zu Halten. Der Körper spiegelt jedes seiner Worte wieder. Freundlich, ruhig - mit beeindruckender Präsenz. Er erläutert, was Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit mit Pferden sei: „Respekt und volle Aufmerksamkeit für das Tier.“ Beobachten, „Zuhören“ - jede Sekunde entscheide. Nur so könne der Mensch die Sprache der Pferde lernen, ihr Vertrauen gewinnen. „Und wenn du wirklich das Vertrauen eines Pferdes gewonnen hast, akzeptiert es dich als Herdenführer“, weiß Kremer. „Dann folgt es dir überall hin. Dann schenkt es dir sein Leben.“
Fast scheint es, als sei dem „Pferdeflüsterer“ das auch bei den Zuschauern gelungen: Selbst die Kinder verfolgen gebannt jede seiner Bewegungen. Doch kann er auch „Orona“ in seinen Bann ziehen? Das Training (in Frohnrath wurden 45 Minuten demonstriert) dauert in der Realität Monate.
In drei Schritten zeigt Kremer, wie nach indianischer Tradition, also „in der Sprache der Pferde“, gearbeitet wird. Es ist eine leise Sprache, wichtiger als Worte sind Gesten, oft nur eine Tendenz der Körperhaltung.
Tätscheln kein Lob fürs Pferd
Zunächst weist der Trainer dem Pferd einen Platz zu. Immer wieder geht er kurz in Kontakt mit dem Tier, um sich nach dessen Reaktion wieder abzuwenden. Ein ständiges Wechselspiel. Fasziniert beobachten die Zuschauer, wie er auf die geringsten Signale des Tieres reagiert, von ihm ablässt, sobald es seinem Willen folgt. Demonstrativ dreht er ihm den Rücken zu, beschäftigt sich mit anderen Dingen. Dem Publikum etwa.
Sich abzuwenden, erklärt Kremer, sei das größte Lob für Pferde. Jede Aufmerksamkeit, jeder Blickkontakt bedeute „Druck“ und Stress für das Tier. Erstaunen. Sollte das wahr sein? „Der liebevolle Blick, das Tätscheln des Halses bedeutet Stress für mein Pferd?“ Schlimm sei es nicht, aber der Mensch müsse wissen, dass es fürs Pferd kein „Lob“ sei.
Während der letzten Übungsphase, das Pferd soll in eine vorgegebene Richtung abdrehen, lässt dessen Aufmerksamkeit nach. Der Profi hat die Ursache erkannt und bittet eine Pferdebesitzerin außerhalb des Gatters, ihr Tier wegzuführen. „Orona“ möchte dem Artgenossen folgen, wird ein bisschen rebellisch. Kremer muss „arbeiten“, der Körpereinsatz wird intensiver, das Tempo steigert sich. Die Spannung wird dichter, der Druck und die Kraft des Pferdes offensichtlich. Wieder und wieder das Wechselspiel. Einen Augenblick „Action“ im eingezäunten Rund. Dann Ruhe. Die Beziehung ist wieder hergestellt. „Orona“ hat den Trainer als „Leitstute“ akzeptiert.
Selbst erfahrene Reiter im Publikum sind beeindruckt: „Orona“ folgt dem „Horseman“ aufmerksamer denn je. Vertrauen spiegelte sich in den dunklen Augen. Dann lässt er von ihr ab. Unmittelbar bricht das Pferd mit lautem Aufwiehern aus, lässt ahnen, wie viel Kraft in ihm steckt. Nicht nur Kinder schrecken zurück. „Das ist normal“, erklärt der Trainer. Kremer besänftigt das Tier, Pferd und „Horseman“ verlassen die Szene.
„ Riders Way Out“ plant weitere Kurse mit Chriss Kremer. Infos und Anmeldung bei Mone Artar, Tel. (0 24 41) 77 76 76.
Links:
Rider's Way Out
Chriss Kremer
Ponyboy
Quelle: Kölnische Rundschau