Janina feiert ihren 'zweiten Geburtstag'

Zeitungsartikel vom 31.08.2007, Kölnische Rundschau

VON MANFRED HILGERS, 31.08.07, 07:07h
GOLBACH. Janina Ewertz aus Golbach scherzt und lacht gerne. Das überträgt die Hauptschülerin auf ihre Mitmenschen. Doch allzuoft muss Janina ihr Lachen hinter einem Mundschutz verstecken: Wenn sie mit ihren Klassenkameraden den Pausenhof aufsucht. Und wenn sie mit Hund Sammy spielt oder die Pferde auf der Wiese besucht. Früher ritt Janina gerne. Damit war es vor zwei Jahren mit einem Paukenschlag vorbei.

Das Mädchen erkrankte zwei Mal hintereinander an einer Lungenentzündung. Eine heilte vielleicht nicht richtig aus. Es geschah in den Sommerferien. Mutter Simone Artar war mit dem Rest der Familie im Urlaub. „Ich war mit meiner Freundin alleine zuhaus, plötzlich spuckte ich Blut“, erzählte Janina. Das Mädchen kam noch am gleichen Tag ins Mechernicher Krankenhaus. Von dort wurde sie nach Bonn gebracht, wenige Tage später mit dem Hubschrauber zur Medizinischen Hochschule Hannover. Ihr Zustand hatte sich derart verschlechtert, dass die Ärzte dem damals 13-jährigen Mädchen allein für den Flug nur eine 30-prozentige Überlebenschance einräumten.

„In Hannover fühlten wir uns gleich geborgen“, berichtet Mutter Simone von Ärzten, die sich intensiv um ihre Tochter kümmerten. Seit dem Krankenhausaufenthalt in Mechernich lag Janina im Koma. In Golbach wurde für das Mädchen in der Kapelle gebetet.

Zum Glück fand sich nach fünf Tagen in Hannover eine Lunge, die dem Mädchen transplantiert wurde. Drei Monate später erwachte Janina aus dem Koma. „Ich dachte, immer noch in Mechernich zu sein. Ich habe im Koma liegend Musik vernommen, die mir vorgespielt wurde. Und an meinen Vater kann ich mich erinnern, sonst weiß ich nichts, obwohl alle mich besucht haben“, erzählt Janina.

Der 15. September ist nun Janinas „zweiter Geburtstag“, der mit einer Party auf der Reitanlage Meisenhof in Frohnrath gefeiert wird. „Wir laden alle zu einem Tag der offenen Tür ein“, sagt Simone Artar. An diesem Tag will die Familie sich auch bei den Ärzten aus Hannover, Freunden, Bekannten und allen, die geholfen haben, die schwere Zeit zu überstehen, bedanken. Ein besonderer Dank geht an die Organisation „Transplantationsbegleitung“, mit deren Hilfe der Familie und Janina der Aufenthalt in Hannover merklich erleichtert wurde.

Patienten und Angehörige betreuen

„Transplantationsbegleitung“ ist ein gemeinnütziger Verein, der sich um Transplantierte, Wartepatienten und deren Angehörigen kümmert. Denn nicht selten fallen die Patienten und Angehörige in ein „tiefes Loch“ und benötigen intensive Betreuung. Über den Verein lernte Simone Artar den 42-jährigen Kölner Sven Leigraf kennen. Ihn traf vor über zehn Jahren ein ähnliches Schicksal wie Janina. Er lag schon drei Mal in der Uni Essen für eine Lungentransplantation auf dem OP-Tisch. Jedes Mal wurde die Operation abgesagt, weil die Spenderlunge „nicht in Ordnung war“.

Sven Leigraf ist gelerner Kfz-Mechaniker und arbeitete später als Behindertenberater. Heute ist er Rentner. Sein größter Wunsch ist, eine neue Lunge zu bekommen. Und er möchte gerne seine Freundin heiraten. Leigraf wird am 15. September in Frohnrath über Lungenkrankheiten berichten - und darüber, wie wichtig es ist, jede Lungenentzündung ausheilen zu lassen.

Quelle: Kölnische Rundschau