Erfahrungsbericht

 

Vorweg muss ich sagen, dass mich Pferde mein Leben lang fasziniert haben, wenn ich auch, um es nicht Angst zu nennen, einen ausgeprägten Respekt vor diesen Wesen hatte. Gleichzeitig habe ich Pferde aber schon immer bewundert und mich an der Ästhetik ihrer Bewegungen erfreut. Dank meiner Tochter Lisanne habe ich meine Angst vor Pferden 1999 völlig verloren, aber das ist eine andere Geschichte. Wer sich dafür interessiert, kann mich gerne kontaktieren (ralph_conway@hotmail.com). Zurück zu Mone und Pam und meinen Erfahrungen mit meinem Schatz Santana.

Angefangen hatte alles mit einer Freundin, die mir zum Geburtstag eine Wochenend-Treckingtour zu Pferd schenken wollte. Ich kann nicht ganz nachvollziehen wieso, aber aufgrund meiner Ausführungen (ich bin ein Großmaul) war sie der irrigen Annahme, dass ich ein erfahrener Reiter bin und auf der Suche nach einer entsprechenden Reitmöglichkeit, landeten wir nach kurzer Suche bei Dr. Karl Lindemann, dem Eifel- und Ardennenscout. Schon das erste Bild auf seiner gleichnamigen Homepage nahm mich gefangen und nach einem Anruf besuchten wir dessen Hof in Kerperscheid in der Eifel. Stolz erklärte ich, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie vom Pferd gefallen war, verschwieg die unbedeutende Tatsache, dass ich in meinem ganzen Leben nur viermal auf einem Pferd gesessen hatte. Als 13-jähriger hatte ich eine, wie ich damals fand, ziemlich beschissene klassische Reitstunde in einem in Österreichurlaub. Mit 22 bin ich auf einem sehr lieben und gemütlichen Muttchen, eine Stunde den Strand in Spanien entlang geritten und keine 16 Jahre später saß ich mit 38 eine halbe Stunde auf den zwei Pferden einer Freundin. Jamilla, deren Stute hatte einen butterweichen Trab, der sich problemlos aussitzen ließ und auf Karls Frage, ob ich Leichttraben könne, zuckte ich nur die Schultern. `Kann man doch aussitzen!´, war mein Kommentar. Ganz cool holte ich mir Lucy, eines seiner Trabrennpferde a´ la Monty Roberts von der Koppel, man hat ja die Filme gesehen und nach dem Join und dem Follow up sattelte ich sie, setzte mich drauf verlor beim Antraben einen Steigbügel und zwei Trabsprünge später das Gleichgewicht und jegliche Kontrolle über meinen eigenen Körper und selbstredend über die Arme Lucy. So ein Traber mit einem Rist von 165-170 kann ziemlich hoch sein, wenn der Boden noch dazu knochentrocken ist. Ich landete auf der Seite und glücklicherweise etwa einen halben Meter vor dem Stacheldraht. Resultat waren eine ausgekugelte Hüfte, 4 geprellte und zumindest eine angebrochene Rippe (vier Monate Tränen in den Augen, bei jedem Lacher und beim allmorgendlichen Aushusten des Raucherschleims – Rauchen ist echt Scheiße!). Da ich keine sechs Wochen später mit Lisanne einen Reiturlaub in der Eifel machen wollte, habe ich mich nach drei Minuten wieder auf Lucy gesetzt. Ich war mir sicher, dass ich mich nie wieder auf ein Pferd setzen würde, wenn ich die erlittenen Blessuren erst richtig spüren würde. Zum Glück! Denn das Resultat war zum einen, dass ich ein starkes Schuldgefühl Lucy gegenüber entwickelte. Das arme Tier begann nervös zu Zittern und strebte jedes Mal zur Platzmitte, wenn wir uns der Stelle meines Abgangs näherten. Zum anderen `empfahl´ Karl mir, doch zunächst einmal Reitstunden zu nehmen. Leichttraben sollte man schon beherrschen, bevor man sich mit dem Gedanken trägt, auf ehemaligen Trabrennpferden Wandertouren durch die Eifel zu unternehmen.

Meinen Einwand, dass ich einmal mit 13 eine Reitstunde genommen habe und sie ziemlich grässlich fand, quittierte er mit einem wissenden Lächeln. Seine Freundin Mone (Simone natürlich), die seine Islandponys aus eigener Zucht Kindgerecht machte, bot auch Stunden und Kurse für unerfahrene Reiter und Anfänger an.

 Ne lange Einleitung, für das eigentliche Thema, ich weiß. Aber ich rede halt gerne.

 Bei meinem nächsten Besuch bei Karl lernte ich Mone kennen. Sie kam rein, sah und siegte. War mir auf Anhieb sympathisch. Wir tranken einen Kaffee und ich erklärte ihr dass ich in meinem Urlaub mit meiner Tochter Reitstunden nehmen wollte. „Kein Problem.“, sagte Mone. Sie arbeitet mit ihrer Freundin Pam (ela) zusammen und die kann hervorragend mit Kindern. Sie stand auf und sagte „Schau dir unsere Pferde an.“

An der Koppel angekommen hatten wir strahlenden Sonnenschein. Die Pferde von Mone und Pam beäugten mich neugierig und als ich die wunderbaren Tiere sah, kletterte ich sofort über den Zaun, zog mein T-shirt aus und wir beschnupperten uns gegenseitig. Mones Santana hatte es mir sofort angetan, Pams Mio meiner Tochter Lisanne.

„Auf welchem soll ich reiten?“, fragte ich und Mone zeigte auf Santana. „Ich glaube sie mag dich. `Ich dich auch!“, dachte ich, überlegte dann aber doch, ob die ersten Reitstunden nicht vielleicht doch besser auf einem der Ponys stattfinden sollten. Mein Sturz von Lucy war mir noch allzu schmerzhaft in Erinnerung. Aber Santana hatte mich schon gefangen. Sie beäugte mich, stupste mich an und die Sache war klar.

 

Meiner ersten Reitstunde sah ich fiebernd entgegen und als wir abgeholt wurden, war ich hypernervös. Doch Mone beschwichtigte mich. „Mach dir keine Gedanken.“, sagte sie. „Wir reiten erst mal durch den Wald.“

Kein Reiten in der Bahn? Kein Geschrei `Mach dies! Mach dass!´ Ich war echt überrascht. Aber das war das Beste, was mir passieren konnte. Wir säuberten die Pferde, die sich das ganze Jahr über, wie Karls Traber und Islandponys, auf den freizügigen Weiden bewegen, von Schlamm und Schmutz, kontrollierten Hufe und Eisen, sattelten sie und ritten in der Gruppe los. Direkt hinein in die wunderschöne Eifellandschaft. Und nach kaum zehn Minuten war das kribbelnde Gefühl im Magen verschwunden, machte einer ungekannten Freude und (beinahe) grenzenlosem Vertrauen in die trittsicheren Tiere und die Reitlehrerinnen Platz, die Mone neben mir, Pam bei Lisanne, besonnen Tipps gaben. Der erste Ritt durch den Wald sorgte ganz automatisch dafür, dass meine Unsicherheit ersetzt wurde durch ein nahezu berauschendes Körpergefühl und eine Sensibilität für die Bewegungen des Tieres, auf dem ich saß. Logisch, wenn du dich unter Ästen wegduckst und mit den Schultern Hindernissen ausweichst, während sich das Pferd unter dir seinen Weg sucht, konzentrierst du dich auf alles andere. Aber nicht auf deine Bedenken und ureigensten Ängste. Unnötig, zu sagen, dass diese erste Stunde, bis auf verschiedene Einsätze, anzutraben komplett im Schritt geschah.

Auch der zweiten Stunde am folgenden Tag fieberte ich entgegen. Diesmal jedoch mit verschobenen Vorzeichen. Der Grund war nicht Nervosität, sondern ein nie gekanntes grenzenloses Verlangen: Sehnsucht nach mehr!

Die Stunde lief nach einem änlichem Schema ab, aber diesmal trennten wir uns unmerklich. Pam beschäftigte sich hinten mit Lisanne, während Mone mich vorne unter ihre Fittiche nahm. Geduldig versuchte sie mir das Leichttraben zu vermitteln. Immer wieder kam ich aus dem Rhythmus, wünschte mir, sie würde ihn mir vorzählen, wie eine Tanzlehrerin im Tanzkurs. Weit gefehlt! Sie lachte nur. „Den musst du schon selbst finden. Ich reite ja nicht mein Leben lang neben dir her.“ Am Ende der Stunde begegneten wir Karl, der eine Gruppe mit seinen Trabern führte und witzelte. „Na, haben sie dich mit Kaugummi an den Sattel geklebt?“ „Ist gar nicht nötig!“, sagte Mone.

 Die Stunde fand ich toll, meine Unfähigkeit erbärmlich und für Santana hegte ich nur noch Bewunderung und einen tiefen Respekt, weil sie mein gnadenloses Gehopse so gleichmütig wegsteckte. Sie tat mir so leid, dass ich mich am Ende der Stunde mehrfach entschuldigte, um Verständnis bat und Besserung gelobte.

Mone lächelte mich an. „Morgen gehen wir auf den Platz, üben Leichttraben an der Longe.“

 Lisanne ritt mit Pam in den Wald. Ich sattelte Santana und wir gingen auf den Platz. Die Übungen an der Lounge begannen spielerisch. Ohne Zügel, einen Riemen am Sattel. Füße aus den Steigbügeln, dieselben blind wieder finden, drehen um 360 Grad im Schritt, nach vorne legen, Hals umfassen, wieder aufrichten, nach hinten legen, ganz flach, Kopf auf den Steiß. „Geht nicht! Das tut ja weh!“, sagte ich. „Wie soll das denn mit Sattel funktionieren?“

Mone hielt Santana an. „Steig ab!“ sagte sie und ich war echt betroffen, erwartete fast, dass die Stunde vorzeitig zu Ende war. Aber Mone grinste nur. „Halt mal!“, drückte mir die Longe in die Hand und saß auf. „Geht wohl!“, meinte sie und zeigte es mir. Machte die ganzen Übungen durch und dann war ich wieder dran. Wollte mir keine Blöße geben, ächtzte herum. Ging!

Dann Leichttraben im Schritt. Als Übung. Ging problemlos. Dann Trab. Hoppel, hoppel! „Das gleiche, wie ebend!“, sagt Mone. „Hast gut reden!“, antworte ich. Aber ich wollte nicht, dass sie es mir wieder zeigt, wußte ja, dass sie es kann. Und ich kann´s auch, dachte ich und dann klappt es auch für drei, vier Trabschritte.

„Siehste!“ Sie grinste. „Orientier dich an einem Vorderbein und an der Bewegung des Pferdes!“

Und Tschak! Und Tschak! Und dann bekam ich es, begleitet von Aussetzern, immer häufiger hin. Huhhh!

Nach 30 Minuten war ich klatschnass geschwitzt, und meine Hände vom Riemen wund gescheuert, aber berauscht, weil es ständig klappte, ich immer wieder den Rhythmus fand.

Als ich nicht mehr konnte, bestand Mone darauf, noch drei Abschlussrunden zu Traben und ich willigte ein. Doch statt des Befehls „Jogg!“ gibt sie Küsschen und für Santana ist das das Signal, anzugaloppieren. Doch stattdessen hält Santana abrupt inne, reißt ihren Kopf zu Mone herum und blickt sie völlig verdutzt an, als wolle sie sagen: „Nee, Mädchen, dass ist doch nicht dein Ernst, oder?“ Simone lachte überrascht auf und ich kapierte gar nichts. Als sie es mir erklärt, ist mein Vertrauen in Santana ohne Grenzen.  

Am nächsten Tag wieder an der Longe. „Diesmal ohne Riemen, aber mit Zügeln!“, sagt Mone. „Schließlich musst du die Zügel halten!“

 Ich brauchte zehn Minuten. Alle Übungen wieder durch und traben, traben, traben. Zum Abschluss stellte sie mir die Frage, ob ich galoppieren möchte. „Nein, heute noch nicht!“ Und da ertappe ich sie, wie sie Santana antreibt und ich schreie. Abends habe ich tierischen Muskelkater, aber ich bin glücklich. Natürlich kann man Leichttraben, ohne sich mit den Händen festzuhalten! Aber ich ärgere mich auch. Ich hätte galoppieren sollen, bin sicher, dass Mone nichts macht, was sie mir nicht zutraut. Ich selbst habe es mir nicht zugetraut. Da war diese dämliche Angst.

 Am nächsten Tag konnte ich kaum gehen. Aber aufs Pferd wollte ich! Was sonst?

Pam und Lisanne ritten wieder in den Wald. Und eigentlich war ich enttäuscht, ich wollte auch! „Machen wir Morgen!“, sagte Mone, „heute üben wir noch mal Leichttraben!“ und ich fügte mich gerne. Sie legte einen Westernsattel auf und wir wiederholen das Training vom Vortag. Nach zwanzig Minuten strahlte sie. „Klappt doch super!“, sagte sie und ich war richtig stolz, obwohl ich mir ein paar Mal die Eier am Sattelhorn angehauen habe. Meinen Muskelkater spüre ich nicht mehr und Santana, die liebte ich.

„Halt an!“, sagte Mone da, denn ich hatte Santana selbst angetrieben. Nun stoppte ich sie. „Nimm die Füße aus den Steigbügeln und häng sie über den Knauf!“ Deswegen der Westernsattel, dachte ich und tat es. „Und jetzt?“

Sie grinste „Leichttraben!“, sagte sie und ich war entsetzt. „Das geht doch gar nicht ohne Bügel!“, sagte ich. Zögernd. Sie lachte. „Geht wohl! Probier es!“

Panik! Angst! Und dann versuchte ich es und nach drei Minuten heulte ich fast vor Glück.

 Nach der Stunde war ich fix und fertig aber glücklich. Und Mone, die beste Reitlehrerin von allen, telefonierte. „Weißt du, was mein Reitschüler gerade gemacht hat? ...“

Abends kam ich zu Karl und er erwartete mich grinsend mit einem Bier.

„Das ist das übelste, was ein Reitlehrer seinem Schüler abverlangen kann!“, sagte er. „Wieso?“, fragte ich, „Das ist ganz einfach!“ Und ich grinse.

 Die nächsten drei Stunden ritten wir wieder in den Eifelwald, Schritt; Trab, Galopp und ich bin dem Reiten verfallen! Das einzige Missgeschick, dass mir passierte, ist, das ich mitten im Wald vor Begeisterung wieder Küsschen gab und Santana natürlich erneut angaloppierte. Ich hatte vergessen, dass das ihr akustisches Signal war, aber ich parierte sie problemlos durch. Für meine neunte Stunde borgte sich Mone, Karls Traber aus und wir ritten in der Gruppe mit dem Scout ins Gelände. Als Lisanne und ich abfahren mussten, wußte ich nicht, ob ich mich freuen, oder heulen sollte. Aber egal, denn nun bin ich süchtig.

 Klammheimlich habe ich mich von Santana verabschiedet, ihr gedankt, dass sie solch eine Geduld mit mir hatte. Und das war der absolute Hammer. Nachdem ich eine Minute mit ihr geredet hatte und vor ihr hergetänzelt bin, begann sie meinen Bewegungen zu folgen, ging vor, wenn ich Rückwärts ging, zurück, wenn ich vorschritt, seitwärts etc. Und zu guter Letzt tanzten wir gemeinsam über die Weide …